New York

Sonntag, 20.09.2015

Bevor wie heute Morgen aufbrechen muss ich noch ein Nähset auftreiben, da wir zwei Fälle von Materialermüdung reparieren müssen. Ein Hosenknopf von Steffen und die Schulterriemen meines Rucksacks. Da das Hotel kein Nähset hat, versuche ich es in der Tankstelle, die eigentlich ein total vollgestopfter Tante Emma Laden auf sehr wenig Grundfläche ist. Der Kassierer bestätigt mir, dass sie "Sewing Kits" hätten und die irgendwo da hinten wären. Irgendwo da hinten entdecke ich die erstaunlichsten Dinge, auch eine Stoffschere und ein Maßband. Aber kein Nähset. Erst als ich in einer kleinen Ecke unter die Decke schaue, finde ich sogar eine ganze Auswahl. Die Trittleiter für die Selbstbedienung stand auch bereit. Dann mal los. In diesem Laden wird jeder Quadratzentimeter genutzt.

Um 10.00 Uhr sind der Knopf an- und die eingerissenen Riemen festgenäht. Diesen Urlaub muss der Rucksack noch durchhalten. Mit der U-Bahn fahren wir zum Prospect Park in Brooklyn, eine im Jahr 1867 eröffnete, heute 2,4 km² große Parkanlage. Er befindet sich am Rande des gleichnamigen Stadtviertels zentral in Brooklyn. Hier findet heute Smorgasburg statt, ein gehobener Food Market mit heute etwa 60 Ständen. Nachdem wir eine Runde gedreht und alle Stände begutachtet haben stellen wir uns unser Mittagessen zusammen. Es wird eine wilde Mischung von verschiedenen Ständen.
Smorgasburg mit vielen jungen, hippen Leuten
Steffen kann auch endlich die Pommes von "Home Frite" probieren, auf die er schon letztes Jahr scharf war. Ich kröne meinen Lunch mit einem Becher Bio Bubble Tea mit Ananas und Hibiskus Saft und Tapiokakugeln. Während der großen Bubble Tea Welle vor ein paar Jahren habe ich nie einen probiert, weil die mir zu chemisch waren. Jetzt kann ich die Bio Variante testen. Der Tee ist fruchtig und lecker. Die aufgequollenen Tapiokakugeln erinnern an in Wasser eingeweichte Gummibärchen. Der Effekt ist ganz witzig, wenn man die Kugeln durch den dicken Strohhalm saugt. Allerdings sollte man sie nicht mit zu viel Schwung gegen die Mandeln knallen lassen.
Planschende Kinder und überdachte Rollschuhbahn im Hintergrund.
Nachdem wir satt sind, bummeln wir durch den Park. In der Nähe ist ein Fahrrad- und Kettcarverleih, ein See mit Bootsverleih, eine Rollschuhbahn, ein Café mit Veranstaltungsräumen und eine große Kinderplantsche. Wir setzen uns in den Schatten und schauen den Kindern zu. Eigentlich darf man sich hier nur aufhalten, wenn man auch ein "gültiges" Kind dabei hat. Aber so genau scheint das hier keinen zu interessieren. Um 14.00 Uhr verlassen wir den Park und fahren mit der Q-Line zur Canal Street. Hier in Chinatown und Little Italy ist heute viel los.
Feuerwehrwagen in Chinatown
Wir laufen zum Katzencafé Meow Parlour (Katzensalon). Es sieht ziemlich unspektakulär aus, ist aber immer Tage im Voraus ausgebucht. Für 5 Dollar die Stunde darf man hier mit einem kleinen Rudel süßer Katzen spielen, kuscheln oder einfach nur abhängen und dank freiem WLan seine Mails checken. Dazu gibt’s Café, Kuchen und Cookies, die aber aus hygienischen Gründen nicht hier verkauft werden, sondern im einem zugehörigen Laden um die Ecke. Und wer sich spontan in eine der Katzen im Meow Parlour verliebt, darf diese sogar adoptieren. Während wir durch das Schaufenster "schmulen" sehen wir in erster Linie Katzen, die abhängen und sich in keiner Weise um ihren Besuch scheren. Katzen eben.

Das Meow Parlour ist gut besucht.
Wir laufen zurück Richtung Little Italy. Es ist der letzte Tag des "Feast of San Gennaro". Wir laufen einmal über die Festmeile. Aber es ist uns heute wieder viel zu voll. Anscheinend hat sich im Gedränge jemand an Steffens Rucksack zu schaffen gemacht, ich sehe auf einmal daß das hintere Fach offen steht. Zum Glück hatte Steffen seine neue Kamera nicht wie sonst dort im Rucksack, sondern in der Hand. Auch sonst scheint nichts zu fehlen. Noch einmal Glück gehabt!

Wir fahren zur 49. Straße und stellen uns in die Schlange vor dem Eugen O´Neill Theater, wo das Musical "The Book of Mormon" läuft. Es soll noch Tickets für den Standing Room geben. Die Vorstellung fast 2 1/2 Stunden im Theater zu stehen begeistert mich nicht wirklich, andererseits haben wir so was bisher noch nicht ausprobiert. Wir nehmen auch noch an der Lotterie teil, haben aber kein Glück. Aber wir bekommen zwei Tickets á 27$ für den Standing Room.

Die Show beginnt um 19.00 Uhr. Wir haben noch Zeit für ein Abendessen. Es gibt Pizza. Dann geht es zurück zum Theater und in die Schlange. Das Eugene O`Neill Theater bietet Platz für 1201 Besucher. Das Musical ist wie immer ausverkauft. Als wir drin sind müssen wir Stehplatzkarteninhaber uns erst in einer anderen Ecke an der Wand lang quetschen. Unsere Plätze dürfen wir erst ganz kurz vor der Show einnehmen, damit wir den anderen Gästen nicht im Weg stehen.

"The Book of Mormon" ist ein Musical, das neben anderen Auszeichnungen neun Tony Awards und einen Grammy erhielt. Es handelt sich um eine Satire von den Machern der Fernsehserie "South Park" über zwei junge mormonische Missionare, die in ein abgelegenes Dorf im Norden Ugandas gesandt werden, wo ein brutaler Warlord die Bevölkerung bedroht. Naiv und optimistisch versuchen die beiden Missionare, ihre Religion anzupreisen. Es fällt ihnen jedoch schwer, Zugang zu den Einheimischen zu finden, die eher gegen Hunger, Armut und AIDS anzukämpfen versuchen.

Das Musical ist sehr kurzweilig, die 2 Stunden 15 Minuten waren ruck zuck vorbei. Und die Sicht auf die Bühne war perfekt. Zwar hatten wir die ganze Zeit eine Aufsicht im Nacken, damit sich niemand auf ggf nicht besetzte Plätze setzt oder sich sonst irgendwie im Theater verteilt und in der Pause mußten wir wieder blitzschnell von unseren Plätzen verschwinden, aber wir würden diese Tickets jederzeit wieder buchen.

Bevor wie ins Hotel fahren, setzen wir uns wieder ein Weilchen auf die rote Treppe am Times Square und sehen dem Gewusel zu. Obwohl die Sonne längst untergegangen ist, ist es durch die viele Werbung taghell. Um 22.00 Uhr sind wir wieder im Hotel und fallen kurz danach erschöpft in die Betten.