New York

Samstag, 19.09.2015

Heute sind wir früh dran weil wir noch Rush Tickets für das Musical "Finding Neverland" bekommen möchten. "Finding Neverland" ("Wenn Träume fliegen lernen") ist ursprünglich ein Filmdrama aus dem Jahr 2004 über die Entstehung des Klassikers Peter Pan. Die Hauptrolle im Musical wird von Matthew Morrison gespielt, der durch seine Rolle als Lehrer in "Glee" sehr bekannt ist. Steffen hätte auch sehr gerne Kelsey Grammer (u.a. bekannt als Dr. Frasier Crane aus der Serie "Frasier") als Hook erlebt, leider war sein Engagement schon beendet und die Rolle wurde nun von einem (uns) unbekannten Darsteller übernommen.

Um 8.25 Uhr verlassen wir das Hotel und stehen um 8.50 Uhr vor dem Theater in der Schlange. Wir stehen an 11. und 12. Stelle, aber es kommen später wohl noch Freunde der vor uns wartenden dazu, was unsere Plätze nach hinten schiebt. Aber das ist nicht so schlimm, denn es gibt heute Karten für die Matinee und für die Abendvorstellung. Wir möchten in die Matinee und da ist die Nachfrage nicht so hoch. Ich habe genug Bargeld eingepackt, denn Rush und Lotterie Tickets werden oft nur gegen Bargeld verkauft. Um kurz nach 10.00 Uhr erstehen wir zwei Tickets zu je 37$ für die 14.00 Uhr Vorstellung.

Bis zum Beginn des Musicals vertreiben wir uns in Manhattan die Zeit. Zunächst laufen wir zur Grand Central Station. Dort kann man zurzeit eine Self Guided Tour über die Baudenkmäler machen. Aber uns ist der Bahnhof zu voll und zu wuselig für die Tour und so schauen wir uns nur ein wenig um, inspizieren den Food Court und schlendern einmal über den Grand Central Market, bei dem Köstlichkeiten aus aller Welt zu stolzen Preisen angeboten werden.
Die Halle der Grand Central Station

Auch etwas seltsame Gestalten treiben sich hier herum
Danach laufen wir die 5th Avenue runter. Bei Lindt Schokoladen stauben wir als kleine Wegzehrung eine Gratisprobe ab. Insgesamt fällt uns der eine oder andere Leerstand auf der 5th Ave auf. Sollte die Krise auch diese Konsumtempel erreicht haben? Mit dem Bus fahren wir wieder zurück und essen im Food Court der Grand Central Station unser Mittagessen, es gibt hier auch einen Shake Shack und die Schlange hält sich zum Glück in Grenzen, vermutlich, weil es hier noch genug andere Stände gibt. Mir fällt auf, dass sich die Sicherheitsmaßnahmen im Bahnhof inzwischen etwas gelockert haben. Man darf wieder auf dem Boden oder der Treppe sitzen und ich sehe auch keine Soldaten.

Nachdem wir unsere Burger verspeist haben, geht es zum Lunt-Fontanne Theatre. Es wurde 1910 eröffnet und hat 1505 Plätze, die heute Nachmittag alle besetzt sind. Vor dem Theater ist schon eine lange Schlange. Den Einlaß "effizient" zu nennen trifft es nicht wirklich. Das hier ist Präzisionsarbeit. In 30 Minuten werden alle 1505 Gäste eingelassen und auf die Plätze geführt. Auf der Damentoilette arbeitet eine Einweiserin, damit jede Kabine sofort wieder benutzt wird. Und auch hier "zack, zack" und nicht bummeln!

Wir sitzen in der 2. Reihe ganz außen und haben etwas eingeschränkte Sicht. Aber dafür kosten unsere Tickets nur 37$ statt 147$ auf den regulären Plätzen.

Um 16.30 Uhr ist die Show zu Ende. Wir gehen zum Times Square. Jetzt am Nachmittag haben sich die Micky Mäuse, die die Touristen zu Fotos animieren, explosionsartig vermehrt. Wir hoffen ja immer noch irgendwann mal den Naked Cowboy zu sehen, aber das hat bisher in all den Jahren noch nie geklappt. Dafür sehen wir jemanden, den der Cowboy offensichtlich sehr inspiriert hat. Es handelt sich um eine ca. 60 Jahre alte Frau, schlank, mit pinker Langhaar-Perücke und nur mit Slip und 2 Strumpfbändern bekleidet. Ihre Gitarre dient nur der Dekoration und hat oben ein Loch, in die sie die Dollarnoten stopft. Ihre großen Brüste sind der Schwerkraft erlegen, so dass sie auch ein paar Dollarnoten unter einer Brust festklemmen kann. Vielleicht das Wechselgeld?
Nicht schön, aber aufsehenerregend...
... auch für neue Fernsehserien wird hier mit viel nackter Haut geworben.
Wir bummeln noch etwas herum, essen im Cafe Europa Pasta bzw. Salat und teilen uns hinterher ein Stück New York Cheesecake.

Spiegelnde Hochhäuser in Manhattan
Um 19.20 Uhr stehen wir vor dem St. James Theatre, um unser zweites Musical heute zu sehen. Es wurde 1927 eröffnet und hat 1620 Plätze. Wir stellen uns in die schon bestehende, mindestens 100 Meter lange Schlange. Hinter uns wächst sie schnell weiter an. Punkt 19.30 Uhr setzt sich die Schlange flott in Bewegung. Vor dem Eingang fordert ein Mitarbeiter alle Gäste in der Schlange auf, die Karten mit dem Strichcode in die richtige Richtung zu halten, damit die zwei(!) Ticketkontrolleure die Tickets schneller scannen können. Man darf nicht trödeln, im Weg stehen oder den Ablauf verzögern, sonst wird man sofort angesprochen.

Wir sehen "Something Rotten", es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die zur Zeit von Shakepeare spielt. Leider bin ich sehr müde und kaputt und bin ab und zu etwas eingenickt. Aber das Musical ist toll und die Besucher sind begeistert.
Hier wird gleich Shakespeare singen und tanzen.
In der Pause möchte ich eigentlich die Toilette aufsuchen, gebe aber auf, als ich die Schlange sehe. Sie schlängelt sich bereits durch mehrere Gänge, Treppenhäuser und ein kleines Foyer. Steffen stürzt sich jedoch ins Getümmel und beschreibt mir später die "Klo-Choreografie":

In das schmale Treppenhaus passen immer nur 3 Personen nebeneinander. Links an der Wand steht die Warteschlange zur Damentoilette, rechts an der Wand warten die Herren. In der Mitte kommen die "erleichterten" Besucher wieder hoch in den Theatersaal. Vor den Toiletten steht ein Einweiser, der immer nur eine bestimmte Menge Gäste in die Waschräume läßt.

Die Show ist um 22.30 Uhr zu Ende. Auf den Straßen sind unglaubliche Menschenmassen unterwegs, da jetzt alle Theater ihre Besucher "ausspucken". An den Bühnenausgängen lauern die Autogrammjäger auf die Darsteller. Diverse Fahrradrikschas buhlen um Kundschaft. Wir nehmen aber wie immer die U-Bahn und sind um 23.30 Uhr wieder im Hotel.