New York

Freitag, 18.09.2015

Um 7.30 Uhr bin ich im Frühstücksraum. Er ist ziemlich voll, aber ich kann noch einen Tisch erjagen. Mein Magen ist immer noch nicht ganz auf der Höhe. Ich entscheide mich für leichte Kost. Toast mit Frischkäse, ein Schälchen Cornflakes und einen Tee, der hier immer ein bißchen nach Kaffee schmeckt, weil er aus der selben Maschine kommt.

Um kurz vor 10.00 Uhr starten wir eine "Weltreise" mit der Subway:

"Wie keine andere Subway-Linie bietet der "7 Train" ein besonderes Erlebnis: Sobald diese Linie den Manhattan-Tunnel verlassen hat, verkehrt sie als Hochbahn durch einen der ethnisch buntesten Stadtteile der Welt. Nach dem Zusammenschluss der fünf Boroughs im Jahr 1898 wurde als erste Verbindung in das damals ländliche Queens die Nummer 7 gebaut – so genannt, weil die Gesamtfahrstrecke genau sieben Meilen beträgt. Für die "Weltreise" mit dem sogenannten "International Express" bieten sich mehrere Stopps in Queens zwischen der 33rd St. und dem Endpunkt in Flushing (Main St.) an, die alle in ganz unterschiedliche ethnische Enklaven führen. Die Wichtigsten sind:
- 33rd St. – traditionell irischer Charakter mit Pubs
- 46th St. – Orient pur von türkisch bis libanesisch
- 52nd St. und Woodside/61st St. – lateinamerikanische Enklaven
- 74th St./Broadway/Jackson Heights – von Indern, Pakistani und Bangladeschern geprägtes Viertel, bekannt für kulinarische Spezialitäten. Die 74th St. gilt als "South Asian Strip".
- 82nd St./Jackson Heights und 90th St./ Elmhurst Ave. – lebhaftes mexikanischkaribisches Viertel
- Junction Blvd. und 103rd St./Corona Plaza – orientalische Metropole, außerdem liegt hier das ehemalige Wohnhaus von Louis Armstrong
- 111st St. – italienisches Flair rund um den "Spaghetti Park"
- Mets-Willets Point – Weltausstellungsgelände Corona Park von 1939 und 1964 mit der Unisphere, einer hohlen Stahlkugel als Modell des Big Apple und das CitiField (das Baseballstadion der New York Mets  sowie das USTA Billie Jean King National Tennis Center (US Open).
- Flushing/Main St. – der "Ferne Osten" mit Chinatown, aber auch indischen und koreanischen Gemeinden"

Wir fahren durch bis Flushing und bummeln durch die Hauptstraße. Die Bilder, die sich uns bieten, sind widersprüchlich. Im Hintergrund amerikanische Großstadt, im Vordergrund Korea oder China. Aus den Straßen wird kaum englisch gesprochen, in machen kleinen Läden ist auch nichts in englisch ausgeschildert. Für uns Westler ist Warenangebot gewöhnungsbedürftig.

Chinatown in Manhattan und seine für uns ungewohnten kulinarischen Angeboten hatten wir schon oft bestaunt. Aber hier ist es auch recht speziell. Wir besuchen wieder neugierig ein großes Lebensmittelgeschäft. In der Tiefkühl-Abteilung liegen die gefrorenen Lebensmittel (kleine Fleischteile, gefüllte Nudeltaschen und diverse andere Sachen, die wir nicht identifizieren konnten, da sie nur auf koreanisch oder chinesisch beschriftet waren) unverpackt in offenen Tüten oder Boxen in zum Teil sehr rostigen Regalen herum. Die Kunden sammeln sich zusammen, was sie haben möchten. Wie bei uns am Haribo Stand auf dem Stadtfest.

In der Fischabteilung nebenan "stapeln" sich die lebenden Fische in den Aquarien, so voll sind sie. Reis gibt es nur in Säcken, 20 Kilo aufwärts.
Koreatown in Long Island
Nach dem wir uns noch etwas umgesehen haben gehen wir zu Fuß zurück zum City Field, dem Stadion der New York Mets. Der Weg führt an einer stark befahrenen Straße entlang und ist wenig reizvoll. Wie so oft wird klar, dass die Amerikaner sich hauptsächlich mit den Auto von A nach B bewegen. Rings um das Stadion sind riesige Parkplätze. Allerdings hat es auch einen direkten Anschluß zur Hochbahn. In direkter Nachbarschaft zum Stadion gibt es einen großen unbefestigten Platz mit deutlich mehr als 100 Wellblechhütten, in denen sich Autowerkstätten befinden. Viele sind jedoch geschlossen. Es sieht sehr abenteuerlich aus. Wie eine Art Auto Slum.

Wir hatten gehofft, im Shake Shack am Stadion einen Mittagssnack zu bekommen. Leider sind die Restaurants nur geöffnet, wenn ein Spiel stattfindet und auch nur zugänglich, wenn man eine Eintrittskarte hat. Also ziehen wir weiter, überqueren die Straße, gehen in den Flushing Meadows Corona Park und sehen uns unter anderem die Unispere an.

Selfie vor der Unisphere
Hier macht gerade eine Gruppe von Harley Davidson Fahrern einen Foto Stopp mit einem Feuerwehrzug der örtlichen Feuerwehr. Wir vermuten, dass es sich bei den Motorradfahrern auch um Feuerwehrleute handelt, jedenfalls weisen die Aufnäher auf den Kutten darauf hin. Alle sind gut gelaunt und haben sichtlich Spaß.
Eine Motorradgang von Feuerwehrleuten posiert hier ebenfalls mit NYC Feuerwehrwagen.
Es ist immer noch sehr warm. Wir machen eine Pause im Schatten neben dem Queens Theater, wo diverse Musiker in und vor dem Theater für ein Konzert üben und proben. Dann durchqueren wir den Park und laufen zum Roosevelt Boulevard. In Höhe der 103. Straße finden wir ein einfaches italienisches Restaurant, Angelo´s Pizza und teilen uns eine Pizza.
Die Observation Towers des New York State Pavilion neben dem Queens Theatre
Die einzige Toilette wird den Gästen durch einen Summer geöffnet, nachdem man entsprechend vor der Klo-Tür auf sich aufmerksam gemacht hat. Auch schön. Aber die Pizza war sehr lecker. So gestärkt laufen wir am Roosevelt Boulevard entlang zurück bis zur 61. Straße. Über uns rattert die Hochbahn, neben uns lärmen die Autos. Was für ein Krach. Wie kann man hier wohnen? Die Straße ist dicht gesäumt von Einfamilienreihenhäuschen, kleinen Geschäften, Brownstone Häusern und ab und zu modernen Drogerie- und Lebensmittelläden, die durch ihre Größe und Ausstattung gar nicht hier her zu passen scheinen. An der Straße stehen diverse Obststände, Limonadenverkäuferinnen (selbst gemachte Limonade in großen durchsichtigen Plastikfässern) und kleine Garküchen mit riesigen Würsten und undefinierbaren Fleischteilen. Besonders im mexikanischen und pakistanischen Teil ist es sehr wuselig auf der Straße.

Zwischendurch entdecken wir ein Postamt und ich kaufe meinen Briefmarkenvorrat. In der Post werden die Kunden sanft mit südamerikanischer Popmusik beschallt. Das ist neu, aber irgendwie ganz angenehm. Da die Zeit nicht reicht, um die ganze Strecke abzulaufen, steigen wir auf Höhe der 61. Straße in Hochbahn und bei der 33. Straße wieder aus. Hier gibt es noch ein Fachgeschäft für Künstlerbedarf (Artist & Craftsman Supply, 34-09 Queens Blvd, Long Island City) in dem ich gerne stöbern möchte. Es gibt Sitzgelegenheiten für Steffen und ich kaufe ein. Dann fahren wir mit der Bahn ins Hotel, packen unsere Taschen um und machen uns auf nach Manhattan. Wir haben auch für heute Abend vorab Musical-Tickets gekauft. Wir sehen uns "Fun Home" an. Es ist allerdings keine lustige Geschichte, wie man anhand des Namens vermuten könnte. Denn "Fun" ist in diesem Fall die Abkürzung für "Funeral". Die Familie betreibt ein Beerdigungsinstitut.
Das Theatre in the Square mit "Fun Home"
Dem Musical liegt eine Graphic Novel zugrunde: "Fun Home – eine Familie von Gezeichneten" ist ein 2006 veröffentlichter, mit dem Eisner Award ausgezeichneter autobiografischer Comic der Autorin und Zeichnerin Alison Bechdel. Themen sind u.a. Erwachsenwerden, sexuelle Orientierung, Geschlechterrollen, Familienprobleme und Umgang mit Selbstmord.

Nach der Show kaufen wir noch im Food Emporium ein und machen uns dann auf den Heimweg. Heute ist mir nicht mehr gammelig und auch die Kopfschmerzen sind weg. Wir gewöhnen uns langsam an die Hitze und die hohe Luftfeuchtigkeit.