Philadelphia

Samstag, 03.10.2015

Die erhaltenen älteren Gebäude im historischen Philadelphia vermitteln einen Eindruck davon, wie amerikanische Kolonialstädte mit breiten Straßen und öffentlichen Plätzen einst ausgesehen haben. Bevor Philadelphia ein Zentrum des Widerstands gegen die britische Kolonialpolitik wurde, war es die zweitgrößte Stadt des britischen Empires (nach London). Zu Beginn des Unabhängigkeitskriegs und auch einige Jahre danach war Philadelphia die Hauptstadt der jungen Nation, bis die Machtzentrale schließlich im Jahr 1790 nach Washington D.C. umzog. Im 19. Jahrhundert hat New York City dann Philadelphia als Kultur-, Wirtschafts- und Industriezentrum des Landes den Rang abgelaufen. Und obwohl die Stadt seit Jahrzehnten saniert wird, gibt es in den ehemaligen Arbeiterbezirken noch immer Ecken, die heruntergekommen sind und nichts mit den Gärten im historischen Distrikt rund um die Freiheitsglocke und die Independence Hall zu tun haben.

Wir verlassen heute Morgen um 10.00 Uhr das Hotel und steuern das Independence Visitor Center an. Zuerst besorgen wir uns Tickets für die Führung durch die Independence Hall. Die Tickets sind kostenlos, aber ihre Anzahl ist begrenzt, heute morgen gibt es aber noch ausreichend Karten.
Im Visitors Center wird auch Rocky gehuldigt
Danach sehen wir uns im Visitor Center um und entdecken einen Hinweis auf eine Stadtführung in deutscher Sprache um 11.00 Uhr. Da bisher noch keine Karten dafür verkauft worden sind, kommt der Guide nach telefonischer Nachfrage extra für uns und die Führung beginnt erst um 11.15 Uhr. Wir sind die einzigen beiden Teilnehmer. Die Führung ist recht interessant. Wir bekommen alle wesentlichen Gebäude und die damit verbundenen Geschichten im Historic District erklärt. Bevor die Führung endet, werfen wir noch je einen Penny auf das Grab von Abraham Lincoln, denn das soll Glück bringen. Zumindest erzählt das der Stadtführer, der extra Pennys mitgebracht hat, die er uns in die Hand drückt.
Historisches Gebäude mit den Teilnehmern einer anderen Führung
Das kleine historische Haus in der Mitte wurde von einem anderen überbaut.
Straße mit den ältesten Gebäuden der britischen Kolonien
Das Grab von Abraham Lincoln mit lauter Glückspennys
Bevor wir zur Führung gestartet sind, haben wir noch unsere Independence Hall Tickets gegen ein späteres Zeitfenster (15.00 Uhr) getauscht. Jetzt haben wir noch genug Zeit, um zum Reading Terminal Market zu gehen und dort zu Mittag zu Essen. Es handelt sich um eine der größten Markthallen der USA, die seit 1892 betrieben wird. In den Gängen werden die berühmten Cheesesteaks, Amish-Produkte, Hummerbrötchen, Sushi, Gegrilltes, Käse, Schokolade, Brot, Kuchen, frische Donuts, Südstaatenküche und viele andere Köstlichkeiten aus aller Welt angeboten. Daneben gibt es auch Haushaltswaren und etwas Kunsthandwerk. Es ist Mittagszeit, die Gänge sind voll und die Sitzplätze sind fast vollständig belegt. Wir schauen uns erst einmal alles gründlich an.

Steffen entscheidet sich dann für ein Pastrami Special Combo Sandwich beim Hatville Deli, ich gehe zu Salad Express und stelle mir dort am Buffet mein Essen zusammen. Danach treffen wir uns wieder und gehen zusammen zu Beiler´s Bakery, einem Donut Stand der Pennsylvania Dutch (Amish). Die Donuts werden hier frisch gemacht und man kann dabei zusehen. Die Schlange ist lang, es geht aber relativ schnell voran. Die Donuts sind lecker, aber für unseren Geschmack sind die Füllung und das Topping sehr süß.  Bevor wir die Markthalle wieder verlassen, kauft sich Steffen noch eine seiner Lieblingssüßigkeiten, einen Spieß mit Schokoerdbeeren für 5$ bei der Mueller Chocolate Co. Deren Spezialität ist eigentlich die "Chocolate Covered Onion" (also eine Zwiebel mit Schokoüberzug), aber Steffen bleibt lieber bei Erdbeeren.

Dann müssen wir uns auf den Weg machen, um pünktlich zu unserer Führung zu kommen, schließlich müssen wir vorher noch durch die Security. Unsere Gruppe wird von einem Volunteer betreut, einem ehemaligen Geschichtslehrer. Es gibt zunächst einen kleinen Vortrag, dann können wir die Räume sehen, wo die Unabhängigkeitserklärung und die amerikanische Verfassung entstanden sind.
Independence Hall diente auch als Gericht
Das Gebäude wurde im Jahre 1741 unter dem Namen Pennsylvania State House fertiggestellt und diente als Sitz der Regierung von Pennsylvania, damals noch eine der dreizehn britischen Kolonien in Nordamerika. Die Liberty Bell befand sich von 1753 bis 1876 im Glockenturm der Independence Hall. Im Jahre 1775 traf sich der zweite Kontinentalkongress in der Independence Hall und nahm dort im Jahre 1776 die von Thomas Jefferson ausgearbeitete Unabhängigkeitserklärung an. Dieses Ereignis führte zu der heute geläufigen Bezeichnung Independence Hall. 1787 traf sich dort die Philadelphia Convention, welche die Verfassung der Vereinigten Staaten hervorbrachte.
Hier wurde die Unabhängigkeitserklärung der USA angenommen.
Ein Originaldruck von 1776 kann man im Nebengebäude bewundern
Nach der Führung schauen wir uns noch ein paar Nebengebäude an, dann verlassen wir das Gelände und laufen Richtung Midtown Village. Dort steht die beeindruckende City Hall. Aber wir sind auf der Suche nach dem einstigen John Wannamaker's Kaufhaus. Dieser historische Einkaufstempel ist aus einem 1861 gegründeten Laden hervorgegangen, der 1911 einem gigantischen, von Daniel Burnham im italienischen Renaissancestil entworfenen Gebäude weichen musste. Auch die neuen Besitzer haben die gewaltige Orgel mit 30 000 Pfeifen in der Lobby nicht angetastet. Hier kann man jetzt von Orgelmusik begleitet bei Macys einkaufen.
Die Orgel ist das Zentrum des Kaufhaus...
... und wird während der Öffnungszeiten auch gespielt.
Als wir wieder Richtung Hotel laufen, sehen wir viele Zelte und Buden in den kleinen Straßen. Es ist das Fall Festival, das heute stattfindet. Allerdings nur zwischen 12.00 und 20.00 Uhr. Kein Wunder, dass sich die Besucher schon relativ früh kräftig einen hinter die Binde kippen, schließlich ist der Spaß um 20.00 Uhr schon wieder vorbei. Das Straßenfest ist trotz des Wetters gut besucht, Alkohol gibt es erst ab 21 Jahren (das wird auch bei einem Stand, der kostenlose Proben ausschenkt, rigoros kontrolliert, egal wie alt man ist oder aussieht, Alkohol gibt es nur, wenn man seine ID zückt) und es gibt auch wieder einen Tieradoptionsstand, diesmal aber für kleine Hunde, die von freiwilligen Helfern auf dem Arm getragen werden, damit man die Tiere anschmachten und streicheln kann. Wir sind ziemlich KO und gehen ins Hotel. Hungrig sind wir nicht. Wir machen es uns im Zimmer gemütlich.
Diese Kreuzung am Rande des Straßenfests gehört offensichtlich zum Schwulenviertel
Wir haben uns bei diesem Aufenthalt nur einen kleinen Teil von Philadelphia ansehen können. Aber die Stadt hat noch viel mehr zu bieten. Vielleicht holen wir das ein anderes Mal nach.