Virginia Beach

Montag, 28.09.2015

Mit mehr als 60 Kilometern Gesamtlänge hat Virginia Beach den längsten Sandstrand der USA. Auf dem fünf Kilometer langen Bordwalk entlang der Küste finden Jogger, Skater, Radfahrer und Spaziergänger gleichermaßen Platz für ihre Outdoor-Aktivitäten. Auch werden jede Menge Wassersportaktivitäten angeboten. Nur nicht jetzt, denn es ist immer noch zu stürmisch. Leider wird in diesem Urlaub keine einzige Bootstour o.Ä. für mich abfallen. Eigentlich wollte ich auch mal SUP (Stand up Paddeling) ausprobieren.

Zwar wird der Wind weniger, aber der Himmel ist grau und es ist schwülwarm. Nach dem Frühstück fahren wir zum Hafen und sehen uns um, doch die Bootsverleiher haben heute wegen des stürmischen Wetters entweder ganz geschlossen oder raten davon ab, sich aufs als Anfänger aufs Wasser zu begeben. Also fahren wir weiter und verbringen die Zeit im Virginia Aquarium & Marine Science Center. Das Aquarium ist gut konzipiert und viele Volunteers stehen bereit, um interessierte Besucher zu informieren.

Wir lernen z. B. den Horseshoe Crab (Pfeilschwanzkrebs) kennen. Sein blaues Blut wird in der Medizintechnik gebraucht. In den 1970er-Jahren wurde ein erster in vitro-Test zum Nachweis pyrogener Stoffe entwickelt. Für diesen Test wird dem Pfeilschwanzkrebs sein durch den Sauerstoff-Transporter Hämocyanin blau gefärbtes Blut abgenommen. Das Verfahren dient zum Nachweis z. B. von Coli-Bakterien oder Salmonellen in Impfstoffen, Infusionen und auf medizinischen Geräten. Das Blut der Krebse gerinnt bei Kontakt mit diesen Bakterien wie saure Milch, es "erkennt" Zerfallsstoffe der Bakterien (Endotoxin) und setzt die Bakterien in einer Abwehrreaktion in einer Art Gelblase fest.
Ein Horseshoe Crab
Teilweise werden Pfeilschwanzkrebse zur Lysatgewinnung getötet, was auf heftige Kritik stößt. Dies insbesondere, weil es möglich und vielerorts üblich ist, die Blutentnahme vorzunehmen, ohne die Tiere zu schädigen (Verluste von 15 % oder weniger).
Eine Meeresschildkröte schwimmt durch das Becken

Hier versteckt sich ein Oktopus in einer Felsspalte

Ein Haifischgebiß
Das Aquarium verfügt auch über ein großes Außengelände, wo man die heimische Tier- und Pflanzenwelt in freier Natur anschauen kann. Über Holzstege wird man auch über Marschland geführt. In diesem Tidebereich leben unter anderem Zigtausende von Winkerkrabben. Da sie recht klein sind, fallen zuerst nur die hellen großen Scheren der männlichen Tiere ins Auge. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man die ganze Krabbe.
Der Matsch wimmelt von kleinen Winkerkrabben
Leider erhalten wir am Eingang des Aquariums keine Informationen über Fütterungszeiten etc. so daß wir diese verpassen. Das Aquarium besteht aus zwei Standorten, die durch einen langen Naturpfad verbunden sind. Wir folgen jedoch der Empfehlung des Personals und nehmen den Wagen und fahren zwischendurch noch zu einer Five Guys Filiale in der Nähe zum Mittagessen, da uns im Aquarium Café nichts anlacht. Im zweiten Gebäude bin ich besonders scharf auf die Flußotter. Leider sind wir zu spät dran, denn für Reinigungsarbeiten wurden sie schon aus dem Becken geholt. Dafür muß ich lernen, dass es in Virginia drei sehr giftige Schlangenarten gibt, die von den ungiftigen nur sehr schwer zu unterscheiden sind. Na ja, wir werden ja keinen Ausflug in die Wildnis mehr machen.
Auch diverse Frösche gibt es zu sehen
Kurz nach 17.00 Uhr sind wir wieder im Hotel. Ich liebäugele mit den Leihfahrrädern, die ich schon überall gesehen habe. Gleich neben unserem Hotel ist ein Mietstand. Während ich unsere Sachen aufs Zimmer bringe, kommt Steffen mit dem Mitarbeiter ins Gespräch. Es ist ein rumänischer Student, der auch einige Zeit in Süddeutschland studiert hat und ein dreimonatiges Arbeits- und Reisevisum für die USA hat. Wir unterhalten uns eine Weile über den amerikanischen Lifestyle, Autos, das Essen hier und seine schlecht bezahlten Jobs. Er war neugierig auf die USA, ist aber froh, wenn die drei Monate vorbei sind. In Deutschland gefällt es ihm viel besser.

Schließlich mieten wir zwei Räder und fahren los, diesmal nach Norden, da wir alles südlich von Hotel schon zu Fuß abgelaufen hatten. Ich hatte gehofft, daß der Boardwalk an Strand über eine längere Strecke ausgebaut wäre. Leider endet er aber recht bald. Also verlassen wir den Strand, überqueren die Hauptstraße und fahren durch hübsche Wohngebiete, wo ganz offensichtlich die gut Betuchten wohnen. Wie so oft sind die Zugänge zu den zahlreichen Seen alle in Privatbesitz. Hier sehen wir auch eine Schlange, allerdings liegt sie überfahren auf der Straße. Wir halten zwischendurch noch an, um einen Fischreiher zu beobachten. Die Autofahren fahren immer sehr vorsichtig im großen Bogen um uns herum. Nach einer Stunde gibt es nichts neues mehr zu sehen und wir geben die Räder wieder ab und gehen ins Hotel.
Der Fischreiher im Schilfgras